REZENSION |DU WOLLTEST ES DOCH – LOUISE O’NEIL

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Du wolltest es doch | AutorIn: Louise O’Neill| Verlag: Carlsen Verlag / Seitenanzahl:365  |Reihe: – |Preis: 18,00€ | Rezensionsexemplar: Ja

KLAPPENTEXT

Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?

MEINE MEINUNG

Ich habe sehr lange gebraucht um diese Rezension endlich zu schreiben, immer wieder habe ich mir in der Zwischenzeit das Buch genommen und es betrachtet, aber meine Gedanken konnten sich einfach nicht ordnen. Ramona von Kielfeder hatte mir dieses Buch auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt und schon dort erzählt, dass dieses Buch keineswegs einfach sein würde, aber was auf mich zukam, hatte ich wirklich nicht erwartet.

In „Du wolltest es doch“ lernen wir Emma O’Donovan kennen, welche beliebt an der Schule ist. Sie ist hübsch, perfekt und natürlich weiß sie das auch, spielt regelrecht damit. Jedoch ist sie auch egoistisch, fies und gegenüber ihren Freundinnen nicht immer die beste Freundin, die man haben kann. All das macht unsere Protagonistin unglaublich unsympathisch, und auch wenn man nicht wissen würde, worum es in diesem Buch geht, könnte man es sich nach den ganzen Partys und dem Alkohol auch selbst denken.

Was danach kam, hat mich geschockt, weil sie sehr gut zeigt, wie stark das Leben einer Person nach einer Nacht zerstört werden kann, wie sehr es einen Menschen seelisch zerstört und das unsere Gesellschaft eine sehr große Schuld daran trägt. Emma selbst kann sich nicht mehr an die ganzen Geschehnisse der Nacht erinnern, nur noch an Paul und das Zimmer, an den Alkohol und die Pille. Die ganzen Bilder, welche danach im Umlauf waren, kamen ihr vor als wäre es einer anderen Person passiert, denn wie kann es sein, dass sie auf den Bilden zu sehen ist, wenn sie sich nicht einmal mehr daran erinnert?

Am Anfang versucht Emma alles noch herunterzuspielen und am Anfang fand ich das so schlimm und falsch, aber später konnte ich es vollkommen verstehen, weil sie nichts mehr wollte, als das geschehene Vergessen zu lassen und in ihr altes Leben zurück zu kehren, aber niemand ließ das zu. Ihr Leben wurde nun bestimmt von tuschelnden Menschen, von Menschen, die sich von ihr abwendeten, die ihr nicht glaubten und Menschen die versuchten sie zu einem gerichtlichen Symbol zu machen, welches sie jedoch nicht sein will, sie will nur ihr Leben zurück.

Für mich war es nicht einfach ihren Gedanken zu folgen, weil sie die Fotos vor sich sah, die Dinge welche die anderen Menschen gesagt haben, die Schimpfwörter. Immer wieder kommen ihr diese Gedanken und zieht vor allem den Leser immer wieder in die dunklen Gedanken von der jungen Frau. Sie gab sich so viel Schuld für Dinge, an die sie sich nicht erinnern kann, für Dinge, die ihr angetan wurden und das tat mir unglaublich leid.

In diesem Buch ist es auch sehr wichtig das Nachwort zu lesen, vor allem, auch wenn man Emma so unsympathisch fand/findet wie es bei mir der fall war/ist. Das Nachwort zeigt, dass Emmas Gedanken nicht richtig sind, das sie nicht die Täterin ist, sondern das Opfer und nicht die Schuld daran trägt, was ihr passiert ist. Nein ist Nein! Emma hat Nein gesagt, ein Nein ist eine gültige Antwort und niemand auf der Welt hat das Recht ein Nein infrage zu stellen und gegen den Willen einer anderen Person zu handeln.

Ihr merkt, das Buch hat mich sehr bewegt und nun kann ich Euch wirklich nur raten, dieses Buch auch zu lesen. Macht Euch Gedanken über die Geschichte und lasst sie auf Euch wirken. Es wird nicht einfach sein dieses Buch zu lesen, aber nicht immer gibt es ein Happy End im Leben.

Eure Julia ♥

3 Kommentare bei „REZENSION |DU WOLLTEST ES DOCH – LOUISE O’NEIL“

  1. Hallo Julia,
    du hast eine gute Rezension geschrieben! Jetzt bin ich gespannt, wie ich das Buch finden werde. Es steht für Anfang Oktober auf meiner Leseliste . Hoffentlich find ich die Protagonistin sympathisch, ansonsten könnte es schwer werden, das Buch zu Ende zu lesen :/ Doch vielleicht ist es von der Autorin auch gewollt, dass man Emma unsympathisch findet … Ich freue mich jedenfalls auf die Erfahrung.
    Hab noch ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße, René

  2. Liebe Julia,
    Eigentlich lese ich ja nur noch selten Jugendbücher. Aber dieses Buch behandelt ein so wichtiges Thema, dass ich es jetzt auf meine Wunschliste gesetzt habe.
    Ich kann verstehen, dass dir die Rezension zu diesem Buch schwer gefallen ist. Kaum vorzustellen, was Emma erlebt haben muss. Und welche Rolle unsere Gesellschaft dabei spielt, welche Strukturen dahinter stehen. Ich finde, deine Rezension ist sehr gelungen und fängt dein Leseerleben gut ein.
    Liebe Grüße, Julia

  3. Hi Julia,
    ich finde deine Rezension wirklich gut und kann mir vorstellen, dass es nicht so leicht war, sie zu schreiben. Das Buch behandelt ein schwieriges, aber auch wichtiges Thema und die Umsetzung scheint ja sehr gut gelungen zu sein. Das Buch landet deshalb auch auf meiner Wunschliste.
    Liebe Grüße
    Anka

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